Kurzbiographie des Abu-r-Rida‘ Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul

Als erster Sohn des Regierungsbeamten Ahmad Rassoul und seiner Ehefrau Munira Hassan Ibrahim, wurde Muhammad am 22. April 1929 in Ma’saret-Samaluut, Kreis Al-Minia, in Oberägypten geboren.

Im Herbst 1949 schloss er die Oberschule am Staatlichen Gymnasium zu Hilwaan ab. Nach dem Abitur ließ er sich im selben Jahr an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kairo (einst: Fu’ad Al-Awwal-Universität) immatrikulieren. Nach einer Unterbrechung des Jurastudiums auf Grund finanzieller Schwierigkeiten in seiner Familie und seiner Aufnahme in den Staatsdienst, liess er sich 1952 erneut an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität ‚Ain-Schams (einst: Ibrahim Pascha-Universität) in Kairo immatrikulieren und setzte dort sein Jurastudium als Schüler des Schari’a-Professors Schaich ‚Ali Al-Chafif bis 1955 fort.

Ab 1956 plante er die Auswanderung in die USA. 1959 war er fest entschlossen, Ägypten zu verlassen und zunächst nach England über Deutschland zu reisen. Als er Abschied von seiner Mutter nahm, riet sie ihm, alsbald zu heiraten, wenn er eine gute Lebenspartnerin gefunden habe. Anfang 1960 reiste er von Port-Said auf einem Frachtschiff nach Italien und von dort über die Schweiz nach Bonn; dort konnte er den Rat seiner Mutter befolgen und das deutsche Mädchen heiraten, das den Islam annahm und ihn geduldig durch den mühsamen Lebensweg begleitete.

Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitete er als Telefonist in einem großen Hotel in Köln und übte danach verschiedene Jobs aus. Als er sah, dass er eine weitere Reise nach England nicht finanzieren konnte, liess er sich an der Universität Köln immatrikulieren.

Am 28. April 1961 bestand er die Deutsch-Sprachprüfung und wurde zum Fachstudium der Rechtswissenschaft – unter Anerkennung seiner Studienzeit in seiner Heimat Ägypten – zugelassen.

Nach Erreichung der erforderlichen Semesterzahl für das juristische Studium erfolgte im Wintersemester 1963/64 seine Zweiteinschreibung an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, die bis zu seiner Exmatrikulation zum Ende des Sommersemesters 1967 dauerte.

Am 30.5.1968 wurde ihm der Grad eines „Magister Artium“ verliehen, nachdem er die akademischen Abschlussprüfungen in Sprachen und Literatur der islamischen Völker sowie in Mittlerer und Neuerer Geschichte und im deutschen Strafrecht bestanden hatte.

Seine Dissertation mit dem Titel „Zum Begriff der juristischen Person im islamischen Recht“ wurde von seinen deutschen Professoren positiv bewertet. Ihm wurde jedoch der Doktortitel unter sehr dramatischen Umständen, welche Presse und Justiz beschäftigten, nicht verliehen.

Parallel zu den genannten Studienzeiten an der Universität Köln bildete er sich auf verschiedenen kulturellen Gebieten aus. Er besuchte die Höhere Fachschule für Dolmetscher und Übersetzer in Köln, bestand am 22. März 1966 in Bonn die staatlich anerkannte Prüfung und wurde als Mitglied des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer aufgenommen.

Danach fing er an, deutsche Literatur, Deutschlandkunde und Kultur des deutschen Volkes zu studieren und erwarb am 3. Februar 1967 das „Große Deutsche Sprachdiplom“, das ihm vom Goethe-Institut im Auftrage der Ludwig-Maximilians-Universität zu München verliehen wurde.

Auf Grund seiner vielseitigen Qualifikationen und sprachlichen Befähigungen wurde er für die arabische Sprache als Dolmetscher für die Gerichte des Landgerichtsbezirks und ermächtigter Übersetzer für den Oberlandesgerichtsbezirk Köln allgemein beeidigt.

Die weltlichen Interessen haben ihn zu keinem Zeitpunkt davon abgelenkt, sich ständig für seinen Glauben einzusetzen und stets für den Islam zu plädieren. Er war Mitbegründer der Islamischen Studenten-Gemeinde an der Universität Köln, der Islamischen Gemeinde Köln, des Islamischen Zentrums Köln, des Islamischen Zentrums Düsseldorf, des Islamischen Zentrums Dortmund, und wurde in den meisten mit deren Vorsitz vertraut. Ferner war er Gründer der AMANA-Muslim-Service Gemeinnützige Gesellschaft, des Islamischen Zentrums für Da’wa und Information und der gemeinnützigen Islamischen Bibliothek in Köln.

Zusätzlich hielt er zahlreiche Vorträge und Seminare ab, beteiligte sich an Gesprächsrunden, die teilweise von den Medien im In- und Ausland übertragen wurden und verfasste verschiedene Publikationen in Form von Flugblättern und Handreichungen in deutscher Sprache, um seine Islam-Arbeit zu untermauern.

Er rief die deutschsprachigen Bevölkerungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zum Islam auf mit Schrift und Wort unter dem Motto:

„Da’watu-l-Almaan ilaa Tariqi-r-Rahman bil-Qalami wal-Lisaan“

(d.h.: Die Deutschen zum Weg des Barmherzigen aufrufen mit dem Schreibrohr und der Zunge)

Auf dem Gebiet der sprachlichen Übertragung übersetzte er den Qur’an unter dem Titel „Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim“ sowie „Auszüge aus dem Sahih Al-Buharyy“. Ferner fertigte er Nachschlagewerke an, die bundesweit von manchen Fachinstituten der deutschen Universitäten benutzt werden. Dazu gehört: „Lan Tabur“, ein Themenregister des Al-Qur’an Al-Karim (der Titel wurde in Anlehnung zum Qur’an-Vers 29-30 der Sura Fatir gewählt), „Von der Sunna des Propheten“, „Der deutsche Mufti“ und „Handbuch der muslimischen Frau“. Darüber hinaus schrieb er die Geschichte der Higra unter dem Titel „Der Weg nach Yatrib“, „Die Brüderlichkeit im Islam“, „Ibrahim ‚alaihi-s-Salam im Qur’an“, „Die Scheidung nach islamischem Recht“, „Allahs letzte Botschaft“, „Ar-Rayyan und das Fasten im Ramadan“, „Das deutsche Kalifat“, „Der blonde Imam“, „Der Gihad“ und „Zitate für Muslime“. Sein Buch „Was ist Islam?“ ist in zigtausenden Auflagen mehrmals seit mehr als dreißig Jahren in den deutschsprachigen Ländern im Umlauf.

Außerdem verfasste er und gab zahlreiche arabische Sprachbücher, Kinderbücher und Bücher über islamische Kunst heraus, die man dem Gesamtverzeichnis der Islamischen Bibliothek entnehmen kann. Die Gesamtzahl der von ihm veröffentlichten Schriften beträgt mehr als 150 Titel; und jedes Mal, wenn er gefragt wird, wie er all diese Erfolge realisiert hat, antwortet er prompt:

”Dies ist die Huld meines Herrn; und mein Erfolg ist nur Allāh zuzuschreiben!“

Was seine Besinnung angeht, so bezeichnet er sich nur als Muslim nach dem reinen Weg unseres gütigen Propheten Muḥammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, und befolgt gewissenhaft Qurʾan und Sunna; ferner distanziert er sich von allen Strömungen, die dem Islam schädigen. Die verdienstvollen Leistungen der vier Rechschulen benutzt er mit großem Respekt und weist in seinen Büchern – wenn erforderlich – auf ihre Meinung hin.

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